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Hänsel und Gretl als „schlaue Schlawiner“ - Volles Haus und begeisterte Dialektfans bei der Lesung von Toni Lauerers Grimms Märchen auf Bayrisch

Sie freuten sich über ein volles Haus: der Schirmherr der Gunzenhäuser Märchentage Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Büchereileiterin Carolin Bayer, Toni Lauerer und Thomas Fischer von der Buchhandlung Fischer

Den Oberpfälzer Toni Lauerer kennt man am besten in seiner Rolle als Kabarettist mit Auftritten in großen Hallen oder als Humorist mit einem eigenen Sendeplatz auf BR 1. In der Bücherei trat er im Rahmen der dritten Gunzenhäuser Märchentage als „Übersetzer“ auf. Seine 15 Lieblingsmärchen der Gebrüder Grimm hat er ins Bayrische übersetzt und mit der typischen Lauerer-Manier eine deftige Prise Zeitgeist angefügt. Was dabei herauskommt: Ein volles Haus, mit dem man beim Veranstalterduo, der Buchhandlung Fischer und der Bücherei, gerechnet hatte, und ein gut gelauntes Publikum, das sich immer wieder die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen musste.

Büchereileiterin Carolin Bayer begrüßte den Schirmherrn der dritten Gunzenhäuser Märchentage Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und die zahlreichen Zuschauer. In ihrer Einführung richtete sie den Fokus zunächst auf Toni Lauerers Rohmaterial: 200 Jahre alt ist die umfangreiche Sammlung von Volksmärchen – so wie sie die beiden Brüder Jakob und Wilhelm Grimm gesammelt und aufgeschrieben haben. Mit seinem Buch „Die schönsten Grimms Märchen auf Bairisch“ hat Toni Lauerer nun Schneewittchen, Rumpelstilzchen und Co eine Erfrischungskur verordnet. Carolin Bayer stellte den 2018 mit dem oberpfälzischen Heimatpreis ausgezeichneten Kabarettisten vor und machte neugierig auf dessen Märchen mit Verfremdungseffekt.

Als erstes Märchen hatte Toni Lauerer sein Lieblingsmärchen Rumpelstilzchen ausgewählt, denn bei seinen langen Spaziergängen zwischen moosbewachsenen Baumstämmen kann er sich gut in die Geschichte vom „greislichen“, buckligen Männlein“ einfühlen. Als zweiten Joker hatte Toni Lauerer mit „Hänsel und Gretel“ die Kinder des „Holzhauers“ parat, der damals am Waldrand, „eigentlich scho a bisserl im Wald drin“ gewohnt hat. Er lässt die bitterarmen Eltern des Nachts über die Zukunft diskutieren, die denn für die beiden Kinder recht trübe aussehen soll: Während die böse Mutter den Vorschlag macht, die Kinder im Wald auszusetzen, legt der Vater zunächst sein Veto ein: „Naa, des machi ned mit! De eigenen Kinder im Wold aussetzen, des is für mi a No-Go!“ Gleich bei den ersten Absätzen war klar: Toni Lauerer nutzt seine humoristischen Stilmittel auch beim Märchen-Umschreiben: oberpfälzerisch und ein wenig muffelig hingeworfenen Kommentare, lebensnahe Dialoge und wunderbar malerische, bayrische Wortbilder – beispielsweise den Vater, der sich über die Heimkehr seiner Kinder „wia a Schnitzel“ gfreit hat. Und es ist eben kein „No-Go“ möglichst viele neudeutsche Vokabeln einzuflechten: „Mir finden nie mehr hoam aus dem unheimlichen Wald! I glaub i hyperventilier glei!“, kündigt Gretel an.

„Schneewittchen“, die Geschichte mit dem sprechenden Zauberspiegel, war die erste, die der Humorist im Rahmen seines Übersetzungsvorhabens modernisiert hat. Die erste Testleserin in Lauerers Verlag hat sich „abgebrochen vor lauter Lachen“ und auch der Autor bekennt: „Es war direkt eine Lust, diese Märchen zu verfassen“. Der Autor gibt zu den Vorfällen im Schneewittchen-Plot immer wieder seine bissigen Kommentare ab. Wenn der Spiegel verrät, dass Schneewittchen noch lebt: „Blos, bläd, oder? Des hätt er doch dera net aufs Brot schmieren braucha, der Verräter! Owa wos willst von an Spiegel scho erwarten? Koa Hirn, owa scho gar koans!“

Das vierte Märchen, „Rapunzel“, kam in der bayerischen Dialektversion ebenfalls bestens an, sodass Mitveranstalter Thomas Fischer am Ende befand: Die Erinnerung an die Zeit, als Großmutter Grimms Märchen vorlas oder erzählte wurde geweckt, „aber so humorvoll und lustig war es damals nicht!“

Doch der Gast aus Furth im Wald setzte dann noch eins oben drauf und gab am Ende des Abends noch eine Kostprobe aus seinem aktuellen Bühnenprogramm „Lauter Deppen“. Dabei ging es um Lauerers nicht ganz ernstgemeinte sportliche Ambitionen als Tourenrad-Fahrer. Wobei: Eigentlich ging es eher um das „isotonische Getränk = Weißbier“, das der Sportsmann Lauerer – obwohl er sich doch den Getränkehalter für 19,90 Euro geleistet hat, leider schon in der Garage austrinkt. Wenn es dann steiler wird, meint der Verzweifelte: „Das ist kein Buckel, das ist ein getarnter Berg!“

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