Büchereiblog

Der dunkle Garten

Toby ist ein richtiges Glückskind, kommt aus reichem Elternhaus, hat einen super Job in einer Galerie, trifft sich mit seinen Freunden, hat eine richtig tolle Freundin - also keine Tussi, sondern was Echtes - namens Melissa und sowieso irgendwie immer Glück, egal was gerade ist.

Bis er eines Nachts zwei Einbrecher in seiner Wohnung überrascht, die ihn so heftig zusammenschlagen, dass er schon mehr dreiviertel- als nur halbtot ist. Auch hier hat er wieder Glück im Unglück und schafft es, sich mit letzter Kraft zur Wohnungstür zu schleppen, wo er von Nachbarn entdeckt wird, die Hilfe holen.

Die Genesung dauert ziemlich lange und tief in sich drin weiß er, dass er niemals wieder ganz der Alte sein wird - weder körperlich, noch psychisch. Da ist einfach zu viel kaputt gegangen. An einen regelmäßigen Arbeitstag ist nicht zu denken und so willigt er schließlich ein, für eine Weile zu seinem Onkel Hugo ins Ivy House zu ziehen. Der Ort, an dem er zusammen mit seinen Cousins Susanna und Leon die Sommer seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte.

Bei Hugo war Krebs diagnostiziert worden und die Prognose ging in Richtung "paar Monate". Die wollen ihm die Familie so gut wie möglich gestalten. Deshalb zieht Toby mit Melissa dort ein, hilft ihm bei seiner Arbeit als Ahnenforscher, macht den Haushalt und die beiden haben ein Auge auf Hugo, damit es ihm wirklich gut geht. Auch der Rest der weitläufigen Familie schaut regelmäßig vorbei.

Eines Tages buddeln die Kinder beim Spielen im Garten einen Totenschädel aus. Ab da geht das Grauen so richtig los. Wer war das? Die Detectives finden ziemlich schnell heraus, dass es sich um Dominik, einen ehemaligen Mitschüler von Toby, Susanna und Leon handelt. Warum und wie er dort gelandet war, wie und warum er ermordet worden war - und von wem überhaupt! - all das wird subtil nach und nach enthüllt. Hauptverdächtiger ist wegen einiger Indizien und der bestehenden Gedächtnislücken Toby, aber natürlich kommen alle im Haus als Täter in Frage.

Die Autorin Tana French schafft es so genial, eine Stimmung zu erzeugen, die unmittelbar unter die Haut geht. Es ist unmöglich, sich ihr zu entziehen. Unterschwellig, ganz nebenbei, vermittelt sie die jeweiligen Gefühlslagen der Beteiligten, so auf den Punkt und eindringlich - im Wortsinn - dass man tatsächlich mittendrin ist.

Jede einzelne Figur ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet; Detective Rafferty z.B. hat eine ziemlich "hinterfotzige" Art an sich, aber als Beschuldigter ist es natürlich auch nicht förderlich, ausfallend zu werden - diese Szenen knistern regelrecht vor Gereiztheit und Spannung.

Mehr will ich gar nicht verraten, man muss es einfach gelesen haben! Tana French ist hier über sich hinausgewachsen und noch viel besser geworden, als sie sowieso schon war. Sie schafft es, Stimmungen, Gefühle, Situationen zu beschreiben, einzufangen und webt die Leserin gleich mit ein. Unmöglich, nicht von ihr gefesselt zu sein.

Sie finden den Thriller bei den Roman unter FRE oder können ihn mit der Mediennummer 71504038 vorbestellen.

Ich war von ihrer Schreibart sowieso schon sehr begeistert, aber hiermit kann Stephen King einpacken. Unbedingt lesen!

Ulrike Engelhardt   

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