Büchereiblog

Die Reise der Amy Snow

Der bezaubernde Roman von Tracy Rees spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in England, als die junge Victoria den Thron besteigt und die Eisenbahn langsam die Postkutsche ablöst.

Die achtjährige Aurelia entdeckt ein blaugefrorenes Baby im Schnee. Sie rettet das Mädchen und nennt es Amy Snow. Ihre Eltern wollen erst nichts davon wissen, dass Aurelia das Findelkind behalten will - das Anwesen ist groß genug - doch sie setzt sich schließlich durch. Amy hat einen sonderbaren Status; zur Familie gehört sie nicht, aber sie wird die Vertraute und engste Freundin Aurelias. Zum Personal gehört sie auch nicht, doch genau dort hin wird sie von den Eltern verbannt. Es ist keine schöne Kindheit, für keins der beiden Mädchen. Außer die beiden stecken zusammen.

Mit 21 erfährt Aurelia, dass sie schwer herzkrank ist und wohl bald sterben wird. Sie will bis dahin noch etwas sehen von der Welt und macht sich nach langen Kämpfen mit den Eltern auf eine lange Reise, die fast ein Jahr dauern wird. Amy vermisst sie in dieser Zeit sehr und sie kann nicht begreifen, weshalb die ältere Freundin sie im Stich lässt. Gerade auch weil ihre gemeinsame Zeit so eng begrenzt ist.

Als Aurelia zurückkehrt, bleiben ihnen noch vier Jahre, bis sie stirbt. Amy ist da gerade 17 und muss das Anwesen nun verlassen. Aurelia hat vorgesorgt und lässt ihr Briefe zukommen, die sie auf eine Reise durch das Land schicken und in deren Verlauf sie ihr Geheimnisse eröffnet.

Unterwegs lernt Amy viele Menschen kennen und sie ist gezwungen, erwachsen zu werden. Eine Reise geziemt sich für eine junge Dame ohne Begleitung in dieser Zeit nicht. Amy behauptet sich und es macht richtig Freude, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich entfaltet.

Natürlich lernt sie auch jungen Herren kennen, die ihr sogar den Hof machen. Immer steht jedoch die Reise, die Aurelia ihr aufgetragen hat, im Vordergrund und sie hält sich daran. Auch wenn das gegen Ende einen herben Bruch bedeutet. Sie weiß, dass sie die Reise zuende bringen muss. Weil sie erst dann wirklich frei sein wird.

Tracy Rees lässt Sie voll und ganz eintauchen in die Zeit, sie setzt gekonnt genügend Details ein, um ein plastisches Bild zu erstellen, aber sie verzichtet auf weitschweifende, ausufernde Ausmalungen. Überhaupt hat sie den Sprachgebrauch der damaligen Zeit hervorragend angepasst - hier gilt das Lob auch der Übersetzerin Elfriede Peschel.

Ein wundervolles, bezauberndes Buch über eine junge Frau, die erwachsen wird. Über Loyalität und Liebe. Über Klassenunterschiede und Emanzipation. Und es fehlt auch nicht an Dramatik - langweilig ist es niemals.

Wenn Sie sich verzaubern lassen wollen, finden Sie das Buch bei den Romanen unter REE oder Sie können es mit der Mediennummer 71239223 vorbestellen.

Ulrike Engelhardt 

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