Büchereiblog

Finderlohn

Zusammen mit zwei Komplizen überfällt der junge Morris Bellamy den Schriftsteller John Rothstein in dessen abgelegenem Zuhause. Im Tresor finden sich neben einer stattlichen Summe Bargeld haufenweise Notizbücher - alles bislang unveröffentlichte Werke des gealterten Autors. Morris erschießt ihn - ebenso wie wenig später seine beiden Komplizen. Die Beute bringt er zunächst in Sicherheit, bis er wegen einer Dummheit für die nächsten 35 Jahre im Knast landet.

Derweil dreht die Welt sich weiter. Ein durchgeknallter Typ fährt mit einem geklauten Mercedes in eine Menge wartender Arbeitssuchender. Dabei wird u.a. der Vater von Pete Saubers schwer verletzt. Die eh schon angespannte finanzielle Lage (es war der große Bankencrash) wird dadurch nicht besser, Depressionen kommen hinzu. Die Eltern streiten immer mehr; Pete und seine kleine Schwester können das Gekläffe bald nicht mehr mit anhören.

Ein glücklicher Umstand will es, dass Pete einen alten, vergrabenen Koffer findet. Darin eine stattliche Summe Bargeld und eine Menge Notizbücher. Das Bargeld versteckt er und schickt es monatlich in 500,-Dollar-Raten seinen Eltern. Das geht ein paar Jahre gut. Die Lage entspannt sich, der gesundheitliche Zustand des Vaters bessert sich erheblich, beide finden wieder Arbeit und langsam aber sicher scheint alles wieder gut zu werden.

Dass das Geld irgendwann alle ist, kann die Familie inzwischen verschmerzen, aus dem Gröbsten sind sie draußen. Nur die mittlerweile 13-jährige Tina auf ihre Wunsch-Schule schicken - das schaut schlecht aus. Pete hatte die Notizbücher während der vergangenen Jahre verschlungen und sich natürlich kundig gemacht über den Autor. So konnte er sich auch zusammenreimen, woher der Inhalt des Koffers wohl stammen musste. Doch er musste seiner Familie damals einfach helfen, was hätte er anders machen sollen? Nun wollte er die Bücher verhökern, um seiner kleinen Schwester die Schule zu ermöglichen.

Blöd nur, dass Morris Bellamy inzwischen entlassen wurde. Auch blöd, dass Pete sich als möglichen Käufer ausgerechnet jenen Antiquar ausgesucht hatte, den vor langer, langer Zeit auch Morris deswegen anheuern wollte. Gut hingegen, dass Tina sich längst zusammengereimt hat, woher der Geldsegen damals gekommen war. Dass ihr Bruder in der letzten Zeit immer schlechter aussah und es irgendwie alles zusammenhängen musste, war ihr auch klar. Sie hat ihre beste Freundin Barbara ins Vertrauen gezogen.

Barbara, die einen großen Bruder namens Jerome hat, der wiederum zusammen mit Mr. Bill Hodges damals den Mercedes-Fall geklärt hat. Und so schließt sich der Kreis. (Der Mercedes-Fall spielt hier jedoch nur eine Nebenrolle - auch wenn Brian Hartfield ebenfalls drin vorkommt.)

Ganz Stephen-King-typisch kommt es zum dramatischen Showdown. Minutiös beschreibt er, was die jeweiligen Personen gerade machen, während gleichzeitig... - spannend, spannend! Es nimmt nicht für alle ein gutes Ende. Und vielleicht... - nein, das müssen Sie schon selber lesen. :)

Von der Erzählart musste ich immer wieder sowohl an Tana French als auch an den "Talisman" denken von Stephen King und Peter Straub. Ein bisschen eine Art modernes Märchen. Ein bisschen Sozialkritik. Und ganz viel Stephen King! Phänomenal!

Den Finderlohn gibt es bei den Romanen unter KIN oder Sie bestellen ihn unter der Mediennummer 71457617 vor. Natürlich gibt es den Thriller auch in der E-Ausleihe-Franken.

Ulrike Engelhardt  

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