Büchereiblog

Unschuldslamm

Ruth Holländer hat es geschafft: Ihre beiden Kinder hat sie einigermaßen großgezogen, ihr Bistro läuft sehr gut und die Scheidung hat sie auch bestens verkraftet. Ok, ein bisschen chaotisch geht es in ihrem Leben schon zu - aber alles andere wäre ja auch langweilig, oder?

Dass die knapp 50jährige Berlinerin nun aber als Schöffin berufen wird, passt ihr so gar nicht in den Kram. Aber es hilft nichts, sie muss sich der Aufgabe stellen. Gleich bei ihrem ersten Fall als ehrenamtliche Richterin geht es um den Mord an einer jungen kurdischstämmigen Frau. Es war ein regelrechtes Gemetzel, das laut Anklage der Bruder verursacht haben soll. Klar. Ehrenmord. Oder doch nicht?

Die Geschichte wird nicht nur durch die laufenden Verhandlungstage erzählt, sondern auch durch Rückblenden aus verschiedenen Perspektiven, sowie durch Zeugenaussagen und Protokolle ergänzt. Da ergibt es sich schon fast zwangsläufig, dass die Leserin (oder der Leser) mitfiebert, die Puzzleteile zusammenfügt, Ungereimtheiten aufdeckt.

Was mir fast ein bisschen zu viel ist, ist das ganze "Drumrum". Natürlich ist es schön, wenn der Hauptfigur auch ein eigenes Privatleben zugestanden wird, aber muss es denn der Ex samt dessen neuer Eheprobleme sein und die Eltern, die älter werden und die Schwester, die in der Krise steckt und das Lokal und vielleicht noch eine Liebesgeschichte dazu und der fünfzigste Geburtstag und die Tochter auf Klassenfahrt - da hätte es ein bisschen weniger auch getan. Ein bisschen weniger Drumrum, dafür ein bisschen mehr vom Fall?

Dennoch ist es sehr schön geschrieben, gute, lockere Unterhaltung und die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Judith Arendt gelingt es, einen Einblick in die Sicht- und Handlungsweisen der in Anatolien verwurzelten Beteiligten zu gewähren. Es ist eben nicht immer alles einfach nur schwarz oder weiß. Trotzdem: Mord bleibt Mord und der wird am Ende natürlich aufgeklärt.

Unschuldslamm (71403224) ist der erste Fall für die Schöffin Ruth Holländer; Sündenbock (71399427) heißt der zweite. Sie finden sie bei den Romanen unter ARE oder können unter den in Klammern angegebenen Mediennummern vorbestellt werden.

Ulrike Engelhardt

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