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Hoch gelobte Erfolgsromane und der kritische Blick der Testleser

Ulrike Zatschker präsentierte ein aktuelles Kochbuch samt kulinarischer Kostprobe

Lob und Kritik hielt sich beim Frühjahrs-Literaturcafés in der Stadt- und Schulbücherei diesmal die Waage. Büchereileiterin und Moderatorin Carolin Bayer schickte neben Ulrike Zatschker, Babett Guthmann und Jürgen Huber vom Büchereiteam neun Testleserinnen und Testleser ins Rennen. So  gab es einen munteren Austausch, bei dem 21 Neuerscheinungen präsentiert wurden. Publikumsliebling war  der bienenfreundliche Sachbuch-Autor Dave Goulson, der in seinem Bestseller „Wildlife gardening“ beschreibt, wie Gartenfreunde erreichen, dass die Natur auch im kleinsten Hausgarten zu ihrem Recht kommt. Ulrike Fischer konnte sich besonders über lebensnahe Tipps freuen, wie diesen: Mit den Nachbarn Pflanzen tauschen, statt mit Pflanzenschutzmitteln besprühte Supermarktware pflanzen. 

Melena Renner legte sich für den jungen Romancier Takis Würger ins Zeug. Sein von der Kritik viel gescholtener Roman „Stella“ zeichnet das widersprüchliche Agieren der historischen Figur Stella Goldschlag nach, die viele Juden verriet, um ihre eigene Familie zu schützen. Mit viel Charme und einem eigens für das Literaturcafé eingeübten französischen Akzent stellte sich Christine Höller als Witwe Madeleine vor. Diese Protagonistin aus „Die Farben des Feuers“ begibt sich auf einen raffinierten Rachefeldzug – ein Roman zwischen Krimi und Sittengemälde der 1920er Jahre.

Eine eindeutige Empfehlung gab es von Hartmut Röhl für „Wer hat meinen Vater umgebracht“ von Eduard Louis, der die Härte seines vom Leben gebeutelten Vaters zu verstehen sucht. Eine weitere Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater hat in diesem Bücherfrühling Barbara Honigmann vorgelegt. Margret Thill hatte die Idee, ihre Buchvorstellung in einen Dankesbrief an die Autorin zu verpacken: „Sie haben Ihrem Vater liebevolles schriftliches Andenken gewidmet“!

Viele Fakten über die Ausgrabungsgeschichte Babylons erfährt man in dem Anfang des 19. Jahrhunderts spielenden Roman „Babel“ von Kenah Cusanit – so das Urteil von Zena Wiehn. Nicht von dem Untertitel „Ein Heavy-Metal-Leben im Reservat“ abhalten lassen, riet Alexandra Walczyk, denn Warren Perkins hat mit Navajo live sehr gut das Lebensgefühl der Navajo-Indianer getroffen.

Nicht jeder hoch gelobte Erfolgsroman muss allerdings gut ankommen: So gab es auch sehr kritische Testleserinnen und Testleser. Birgit Franz riet eher davon ab, sich auf Michel Houellebecqs Bestseller „Serotonin“ einzulassen. Auch Kerstin Zels, eigentlich eingeschriebener Fan der Romane des T. C.  Boyle erkannte in ihrer Videobotschaft zum Bestsellerroman „Licht“ Längen in dem Plot. Als zweite Stimme zu dem Buch ergänzte Marianne Natalis, der amerikanische Autor lasse seine Romanfiguren allein, nachdem sich diese an ein LSD-Experiment verloren hatten. Wenngleich Dagmar Bender Stefan Lahrs Kirchen-Krimi „Hochamt in Neapel“ unterhaltsam fand, waren die Themenvielfalt und die vielen Szenenwechsel doch strapaziös – so ihr Urteil.

Unglaublich, wie oft in Romanen gekocht wird. Zu diesem Thema „Romane mit Rezept“ hat das Büchereiteam ein Auswahlverzeichnis zusammengestellt und Ulrike Zatschker präsentierte das neue Kochbuch von Kate Young „Little library cookbook“. Darin ist Ausgefallenes wie das perfekt gekochte Ei beschrieben, aber es gibt auch Paddigtons Orangenmarmelade und unwiderstehliche Scones. Ein Kochbuch, das auch deshalb das Publikum überzeugte, weil die Testköchin aus dem Büchereiteam Kostproben mitgebracht hatte.

Babett Guthmann

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