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Norwegen auch beim Literaturcafé als Ehrengast

Bild: Sie hatten sich für Romane aus dem Gastland Norwegen entschieden: Kerstin Zels, Carolin Bayer, Bernd Guthmann und Babett Guthmann

Mit dem Motto „Der Traum in uns“ hat sich Norwegen als Gastland der Buchmesse in Frankfurt präsentiert und auch beim Literaturcafé in der Stadt- und Schulbücherei kamen vier norwegische Autoren zu Zug. Dabei reichte das Spektrum vom Thriller mit dem Titel „Messer“ des Garanten für Gänsehaut-Leseerlebnisse Jo Nesbø bis zur literarischen Bearbeitung des Themas Einsamkeit im Roman „Die Einsamkeit der Seevögel“. Hier schildert Gøhril Gabrielsen die Gefühlslast einer jungen Wissenschaftlerin, die allein im nördlichsten Zipfel Norwegens platziert ihre Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels betreibt und vergeblich auf die Ankunft ihres Geliebten wartet.

Kerstin Zels hatte sich für die Novelle des Norwegers Jostein Gaarder „Die kurze Geschichte einer langen Nacht“ entschieden. Viele kennen ihn durch die Reise in die Welt der Philosophie, zu der er in „Sophies Welt“ eingeladen hat. Auch in seinem neuen schmalen Band geht es um die Sinnfragen des Lebens – auch um die konkrete Entscheidung, ob ein schwer erkrankter Mann seiner Familie die eigene Pflegebedürftigkeit zumuten möchte. Dennoch: Philosophische Aspekte kommen entschieden zu kurz, meinte die Testleserin.  Bilanz einer privaten Katastrophe und einer Trennung zieht der norwegische Autor Per Petterson. Bernd Guthmann begeisterte sich für den Erzählfluss, mit dem in dem Roman „Männer in meiner Lage“ die Erfahrungen eines nicht bruchlosen Lebens aufbereitet werden.  

Auch die unabhängigen Buchhandlungen zeichnen bei der Buchmesse in Frankfurt einen Roman aus. Melena Renner stellte den Siegerroman „Der Gesang der Flusskrebse“ vor, das literarische Debüt der Amerikanerin Delia Owens vor. Ein siebenjähriges Mädchen wächst allein in den Sümpfen des Marschlandes in North Carolina auf. Zuerst hat die Mutter sie allein mit dem alkoholkranken Vater zurückgelassen, dann verschwindet auch er.  Ein Roman, in dem die Beobachtung der Natur und die behutsame Freundschaft zu Gleichaltrigen eine gewichtige Rolle spielen.

Mit Max Annas Krimi „Morduntersuchungskommission“, kann man in ein dunkles Kapitel der Geschichte der DDR eintauchen: Der Mord an einem jungen Mosambikaner soll unter die Decke gekehrt werden. Offiziell darf es Rechtsradikale und rassistische Verbrechen in der DDR nicht geben. Ulrike Fischer machte neugierig auf den Kriminalfall aus den 1980er Jahren, der mit seinem nüchternen, fast berichthaften Stil den Polizeialltag in der DDR erfahrbar macht.

„Ein wunderbares Buch, wenn man etwas Kuscheliges braucht“ hat Zena Wiehn entdeckt: Bei der Lektüre von „Die Tage mit Bumerang“ von Nina Sahm lernt man nicht nur das hartnäckige Schaf Bumerang kennen, sondern kommt in Kontakt mit besonderen Menschen. Ebenfalls in der DDR, und zwar im grenznahen Sperrgebiet am thüringischen Rennsteig spielt der historische Roman „Was uns erinnern lässt“ von Kati Naumann. Ein Stück deutscher Geschichte wird anhand guter Recherchen vermittelt, lobte Gisela Szonn bei ihrer Buchvorstellung.

Die Ereignisse des Sommers 1939, Eindrücke einzelner Personen, Anekdotisches und Hochpolitisches mischt der Autor Hauke Friedrichs in dem zeitgeschichtlichen Roman. Alles kumuliert in der Frage: Wird es  Krieg geben? Johann Teiml hat sich vom Spannungsaufbau des Buches durchaus fesseln lassen, nimmt allerdings an der typischen Spiegel-Schreibe des Autors Anstoß.

Zwei literarische Besonderheiten hatten Birgit Franz und Hartmut Röhl ins Programm eingebracht: Als eine Herausforderung an die Leserinnen und Leser muss Max Porters Buch „Lanny“ verstanden werden. Humorvoll schilderte Birgit Franz wie sie anfangs mit der ungewohnt sich windenden Schrift und den Collagen aus Gerüchten, Klatsch und Tratsch  nicht anfreunden konnte und dann doch den Einstieg in ein besonderes Buch gefunden hat. „Der junge Doktorand“ trifft im gleichnamigen Roman auf ein alterndes Ehepaar, das durch ihn aus den mühsam einstudierten Beziehungsritualen geweckt wird. „Alles kommt da auf den Tisch – man kann sich da amüsieren oder es abstoßend finden“, urteilte Hartmut Röhl über den Roman von Jan Peter Bremer, der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.

„Zu seicht für das Literaturcafé“ hat sich Monika Wopperer vor der Lektüre des Romans „Es wird Zeit“ von Ildikó von Kürthy gefragt, brach dann aber doch eine Lanze für den autobiografisch hinterlegten Roman der Rheinländerin, die es nach Hamburg verschlagen hat. Kürthy begleitet eine krebskranke Freundin auf ihrem Weg. Es geht dabei nicht nur um die Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes, sondern auch darum, Lebenslust trotz des nahenden Todes zu genießen.  

„Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger“ ist der Titel der Novelle von Fredrik Backman, einem schwedischen Autor, dem es stets gelingt die Gefühlslage einer Gemeinschaft anrührend zu schildern. „Alle Personen sind einander liebevoll zugewandt“ befand Dagmar Bender. Und so eröffnet diese Geschichte um die Themen Alter und Abschied immer einen Silberstreif am Horizont. Auch zwei Sachbücher wurden an diesem Abend vorgestellt: Jürgen Huber präsentierte die verblüffende und mit vielen Fakten hinterlegte Sammlung „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern“ und Ulrike Zatschker hatte das neu erschienen Kochbuch „I love Snacks“ mit viel Sachverstand getestet.

 

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