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„Qiver“, „Lazuli“ und Co - Apps schon in der Kita sinnvoll - Vortrag mit Sonja Di Vetta

Die Medienpädagogin Sonja Di Vetta stellte Apps für Kita-Kinder vor

Durchwegs auf gute Resonanz stießen die drei Vorträge der Reihe „Medienwelten“, die Bürgernetzverein Gunnet und Stadt- und Schulbücherei gemeinsam planen und durchführen. Ein kontrovers diskutiertes Thema wurde beim dritten Vortrag von der Medienpädagogin Sonja Di Vetta aufgegriffen: „Tablet und Co in der Kita- spielend lernen mit Apps“. Schon vorab formulierte Carolin Bayer die Frage, die sich zahlreiche Eltern, Erzieherinnen, Lehrkräfte sowie die Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik  im Publikum sicherlich stellten: „Sollen Kita-Kinder schon Tablets nutzen?“ Auf der Pro-Seite gebe es medienpädagogische Argumente und den Aspekt des spielerischen Lernens, führte die Büchereileiterin an. Der zweite Vorsitzende des Bürgernetzvereins Martin Bosch plädierte – auch im Hinblick auf den Digitalpakt für die allgemeinbildenden Schulen – dafür, dass Medien grundsätzlich Arbeitsmittel bleiben sollen und nicht das pädagogische Handeln ersetzen könnten.

Bei der Referentin des Abends stießen solche Vorbehalte auf offene Ohren. Sonja Di Vetta von der medienpädagogischen Facheinrichtung SIN-Studio München befasst sich mit den digitalen Spielwelten und ist sich sicher: „Kein Kind wird etwas verpassen, wenn es keine Tablets in der Kita gibt.“ Nichts desto trotz kennt sie pädagogisch sinnvoll nutzbare Apps und führt ein weiteres Argument an: Digitale Medien und Inhalte gehören zur Lebenswelt von Kindern – auch schon im Kita-Alter.

Für die Medienpädagogin ist essentiell: Medien sollten nicht Ersatz für sinnliche Erfahrungen und das Draußen-Spielen sein, kein Ersatz für Zuwendung und Gespräch und sie sollten schon gar nicht als „Babysitter“ fungieren.  Im Kita-Alltag sollten Tablets also in eine kreative Nutzung eingebaut werden: Fotos machen, Geräusche aufnehmen und die Ergebnisse gemeinsam besprechen. Gut kommen beispielsweise kleine Bilderrätsel mit Suchaufgaben an: Die Kinder fotografieren Gegenstände in der Kita und die anderen Kinder müssen diese suchen. Dabei können auch Vorgaben gemacht werden: Nur rote oder nur rechteckige Gegenstände sind gefragt.

Zum Thema spielerisches Lernen mit Apps stellte Sonja Di Vetta  die Lernspiele von Lazuli vor. Für die Altersstufen von vier bis sieben Jahren gibt es schön gestaltete Aufgaben, bei denen es um Konzentration, Gedächtnis, Raumorientierung, um die Koordination von Auge und Hand sowie um mathematische Basiskompetenzen geht. Alles wird sehr spielerisch aufgefasst, es gibt aber am Ende auch eine individuelle Auswertung. Dabei ist das Ziel, dass die Kinder Lust zum Weiterüben bekommen – Fehler machen ist also erlaubt.

Zum Sprachen lernen und zur Verbesserung des deutschen Wortschatzes geeignet ist die App „Lauras Stern – Sprachen lernen“. In verschiedenen Räumen lernt man die Bezeichnungen von Gegenständen kennen und muss diese dann in einem zweiten Schritt wieder an den richtigen Ort platzieren. – Was man ja nur kann, wenn man sich den richtigen Begriff gemerkt hat.

Ein schönes Erlebnis bietet auch die App Qiver. Ausmal-Vorlagen, beispielsweise mit fantastischen Tierwesen werden ausgedruckt, die Kinder malen ihr Tier dann schön bunt aus und anschließend fotografiert man sein Bild, das dann als Animation in 3-D erscheint und sich bewegen kann. Augmented Reality für die Kleinsten.

Für Vorschulkinder, aber auch für Schülerinnen und Schüler hat Sonja Di Vetta eine interessante Seite zum Lernen und zur Lernkontrolle vorgestellt: Bei Schlaukopf.de gibt es mehr als 80 000 Quizfragen, geordnet nach Alter, Schulart, Schulfach oder Lerninhalt und Klassenstufe.

Bei aller Begeisterung für die digitalen Lernwelten und Fördermöglichkeiten plädiert Sonja Di Vetta besonders für die Nutzung von Apps mit echten kreativen Nutzungsmöglichkeiten wie den „Book-Creator“ oder „Knietzsches Geschichtenwerkstatt“, mit der Kinder ihre eigene Bildergeschichte gestalten und Texte dazu schreiben können.

Wer seinem Kita-Kind daheim die Nutzung eines Smartphones erlaubt, sollte nach Ansicht der Medienpädagogin die Nutzungszeit pro Tag begrenzen. Dabei schlägt sie als Obergrenze eine Nutzungszeit von zehn Minuten pro Tag für jedes Lebensjahr vor. Zu lange am Stück sollte das Tablet nicht in den Händen der Kinder bleiben. Und wenn Kinder spielen, dann Flugmodus aktivieren oder sonstige Sicherheitseinstellungen beachten, sodass nicht unerwünscht Internetinhalte genutzt werden, die für Kinder nicht geeignet sind. In diesem Zusammenhang kommt Sonja Di Vetta auch auf problematische Kettenbriefe zurück. So droht die gruselige Figur damit, nachts im Kinderzimmer zu erscheinen, wenn ihre Nachricht nicht an 15 weitere Kinder verschickt wird.

Pädagogische Begleitung gehören für Sonja Di Vetta zu jeder App-Nutzung in der Kita unbedingt dazu. Bei den Fragen der sehr interessierten Zuhörerschaft wurde deutlich, dass es Einrichtungen gibt, die durchaus interessiert an der Tablet-Nutzung sind. Einsatzmöglichkeiten sind auch das Portfolio, in dem Entwicklungsschritte jedes Kindes dokumentiert werden.

 Babett Guthmann

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